Vom Umgang mit Schmerz und Trauer beim biografischen Schreiben

Kein Leben besteht nur aus glücklichen Momenten, so sehr ich Ihnen das auch wünsche. Sie werden beim Schreiben Ihrer Biografie oder der eines nahen Menschen unweigerlich auf Momente starker Gefühle stoßen: Schmerz, Trauer, Zorn, Wut, Abscheu, ja Haß.

Im Alltag vergessen und verdrängen wir solche Empfindungen. Sie kennen sicher das Sprichwort: Die Zeit heilt alle Wunden. Zum Glück. Anders könnten wir nicht überleben. Doch wenn Sie an einer Biografie schreiben, besteht eine Ihrer Herausforderungen gerade darin, vergessene und verdrängte Erinnerungen hervorzurufen. Vielleicht stoßen Sie auf Bilder und Gefühle, an die Sie nicht gern erinnert werden möchten. Tod, Krankheiten, seelische Verletzungen - vieles, was Sie verdrängt glaubten, kann plötzlich wieder lebendig sein und erneut schmerzen.

Tränen beim Schreiben einer Biografie sind nicht selten. Meiner Mutter ging es so, als Sie über das Vertrauen ihres Vaters in einem entscheidenden Moment seines Lebens erzählte.

Lassen Sie es zu. Biografisches Schreiben kann helfen, verdrängte Gefühle in verarbeitete Gefühle zu verwandeln. Es kann Ihnen unglaublich gut tun, sich das Geschehene von der Seele zu schreiben. Öffnen Sie sich Ihren Gefühlen.

Falls Sie das nicht sofort können, geben Sie sich Zeit. Schreiben Sie an anderen Teilen der Biografie. Denken Sie daran, Sie wollen Ihre Wunden heilen, nicht aufreißen. Seien Sie sanft und behutsam zu sich. Und hartnäckig. Kehren Sie nach einiger Zeit an den schmerzenden Punkt zurück. Falls Sie gar nicht weiter kommen, versuchen Sie es mit einem Perspektivwechsel. Wenn Sie bisher aus der Ich-Perspektive geschrieben haben, nehmen Sie jetzt die Position eines außenstehenden Erzählers ein. Ebenso können Sie vom Präsens ins Präteritum wechseln. Mit beiden Methoden gewinnen Sie Abstand zum schmerzenden Geschehen.

Sie können auch mit anderen Menschen darüber reden. Vielen hilft das. Andere können sich besser "befreien", wenn sie es nur für sich aufschreiben. sie müssen Ihren Weg finden.

Schreiben Sie erst einmal alles auf, wie es Ihnen aus der Feder oder in die Tastatur fließt. Ob Sie es später anderen Menschen zeigen oder die Blätter zerreißen oder die Daten löschen, das steht auf einem anderen Blatt.

Abgelegt unter: Biografie-Tipp, Nachdenkliches

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