Biografie-Tipp: Erzeugen Sie Kino im Kopf

Wenn Sie sich an einen Abschnitt Ihrer Biografie setzen, dann denken Sie immer daran, bei Ihren Leserinnen und Lesern eigene Bilder und Filme im Kopf entstehen zu lassen. Lassen Sie sie selbst empfinden, was Sie empfinden oder empfunden haben.

Bildhafte Beschreibungen machen Ihre Biografie lebendig: Details, Details, Details.

Meist schlecht: Ich ging zu meiner Lehrerin.

Besser: Langsam einen Fuß vor den anderen setzend, immer wieder zögernd, den Blick nach unten gerichtet, ging ich den weiten Weg von der letzten Reihe nach vorn zu meiner Mathematiklehrerin, Frau Lehmann, die schief lächelnd auf die in ihrer sorgfäligen, steilen Schrift mit weißer Kreide auf die dunkelgrüne, matt glänzende Tafel geschriebene Formel zeigte. Kein Blick, der jetzt nicht auf uns gerichtet war.

Verschenken Sie Bilder, Gerüche und Geräusche. Lassen Sie Ihre Leserinnen und Leser miterleben, warum Sie fröhlich oder traurig sind, warum Sie ein Ereignis lustig oder bedrückend finden. Was war schön? Warum hat es Sie erschüttert?

Zeigen Sie, statt zu erklären. Also:

Nicht: Es war ein schöner Abend.

Besser: Wir lagen gemütlich um das Lagerfeuer herum, dessen flackernde Flammen ein weiches Spiel zwischen Hell und Dunkel auf unsere Gesichter zauberte. Martin klimperte auf seiner Gitarre, während wir leise seine Lieder mitsummten. Später steckten wir Kartoffeln auf Holzzweige und ließen sie langsam in der verlöschenden Glut rösten. Um uns herum zirpten die Grillen in der dunklen Nacht.

Oder:

Nicht: Das Geräusch war äußerst unangenehm.

Besser: Es hörte sich an, als ob Metall quietschend auf Glas entlangschabt. Meine Gesichtszüge verzerrten sich, auf meinem Rücken jagte ein fröstelnder Schauer den anderen. Es hörte und hörte nicht auf.

"Kino im Kopf" ist jedoch nicht nur als Metapher gemeint, sondern auch als praktisches Arbeitsinstrument. Stellen Sie sich ruhig beim Schreiben Ihrer Biografie vor, Sie würden einen Film produzieren. Sie müssten sich um das Bühnenbild, um die Requisiten, um die Dialoge und um die Schauspieler kümmern. Sehen Sie sich bei der Arbeit am Set zu. Mit diesem "Kino im Kopf" fällt es Ihnen leichter, das "Kino" im Kopf der Leserinnen und Leser Ihrer Biografie zu erzeugen.

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1 Kommentare

Zitat gefunden

Verfasst am: 23.11.2012 13:41:35 durch Nachdenker

Dazu habe ich auf gergey.com ein schönes Zitat gefunden:
“Das Gehirn ist der grösste Kinosaal der Welt.” Ridley Scott, Regisseur

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